Ätherische Öle- was genau ist das?

Kurz und verständlich...

Wir kommen häufiger mit ätherischen Ölen in Kontakt, als wir eigentlich im ersten Moment vermuten... Aromaöle sind ganz (!) vereinfacht gesagt die Duftstoffe der Pflanzen mit den wertvollsten Eigenschaften, die die Natur zu bieten hat. Und genau das macht sich die Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie in ihren Produkten zu nutze. Denken wir nur an die Kosmetika mit den verschiedensten "neu entdeckten hochwirksamen" Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel das Haarshampoo mit Lavendel, die Hautcreme mit Rosenduft oder die unzähligen Handwaschlotionen oder Duschgels mit den Gerüchen von Teebaum, Orange, Rosmarin, Grapefruit, Salbei, usw. Leider sind viele von ihnen syntetisch oder halbsyntetisch hergestellt und haben keinen therapeutischen Wert (/ können sogar gesundheitsschädlich sein), sie haben aber ihren Ursprung in der Wirksamkeit der ätherischen Öle.

Ätherische Öle sind pharmakologisch betrachtet Vielstoffgemische, die aus verschiedenen ineinander löslichen, organischen Stoffen, wie Alkoholen, Estern, Ketonen oder Terpenen bestehen. Sie werden durch Destillation, Extraktion oder Pressungen der Pflanzen oder Pflanzenteile gewonnen.
Einige bestehen aus wenigen Inhaltsstoffen, andere enthalten bis zu 400 unterschiedliche Moleküle. Die meisten Pflanzen enthalten höchstens ein bis zwei Prozent ätherisches Öl. Es handelt sich dabei um leicht flüchtige, (trotz des Namens) nicht fettende Stoffe, die in Pflanzen vorkommen und an der Luft verdunsten.

Diese Duftstoffe nehmen wir über unsere Riechsinneszellen in der Nase auf. In früheren Zeiten waren wir weit mehr von unserem Geruchssinn abhängig, als das heute der Fall ist. In der Steinzeit half uns dieser zum Beispiel dabei, Gefahr zu wittern, Nahrung aufzuspüren oder einen geeigneten Partner zur Sicherung des Fortbestandes zu finden. Auch heute erkennen wir auch durch unseren Geruchssinn verdorbene Nahrung und (manchmal nur unterbewusst) den richtigen Partner. Es heißt ja nicht umsonst: "Man kann sich gut riechen." Außerdem kann ein Wohlgeruch das Wohlbefinden- und damit auch die Lebensqualität- erheblich steigern. Denken wir nur daran, welches wunderbare Gefühl wir haben, wenn sich die Haustür der Oma öffnet und ein herrlicher Kuchenduft herausströmt.

Wir können ätherische Öle aber auch direkt über die Haut aufnehmen. Die Moleküle dieser wertvollen Essenzen sind so klein, dass sie durch die Haut in die Blutbahn gelangen können. Deswegen werden sie in vielfältiger Weise verwendet, beispielsweise in Raumsprays, Diffussoren, Duftlampen, natürlichen Parfums und Düften, Desinfektions- und Reinigungsmitteln, Massageölen, Heilsalben, Kosmetika, Schönheits- und Pflegeprodukten.

In der Pflanze erfüllen ätherische Öle viele Funktionen:

  • Schutzfunktion (vor Fressfeinden oder übermäßigem Insektenbefall)
  • Sicherung des Fortbestandes (als Lockmittel für Insekten zur Bestäubung)
  • Heilmittel (durch die keimtötenden Eigenschaften können die Pflanzen Krankheiten abwenden oder, wie Harze bspw., 'Verletzungen' schnell schließen)
  • Kommunikationsmittel (sie warnen mit Hilfe des Windes andere Pflanzen vor Fressfeinden, die dann Bitterstoffe absetzen können)
  • Schutz vor Umwelteinflüssen (wie vor Trockenheit, Hitze, Kälte, oder UV-Strahlung)

Da unsere Organe (wie Herz, Leber, Haut oder Nervensystem) mit ähnlichen Rezeptoren ausgestattet sind, können uns ätherische Öle bei der Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten und bei psychischer Unausgeglichenheit helfen.

Ätherische Öle werden gern als die Lebenskraft oder Essenz der Pflanzen bezeichnet. Dementsprechend werden Aromaöle in der Aromatherapie zum Schutz, zur Heilung und um uns Schönheit und Wohlbefinden zu schenken, verwendet.
Das Großartige an den ätherischen Ölen ist, dass sie jedem zur Verfügung stehen. Wenn du auf die Qualität achtest, erhältst du einen Helfer für alle Lebenslagen und kannst sie vielfältig einsetzen.

Ätherische Öle sind so individuell wie erlesene Weine, Federweißer oder gutes Olivenöl. Ein Bordeaux zum Beispiel schmeckt grundsätzlich wie ein Bordeaux, jedoch schmeckt jeder Bordeaux anders. Sogar jeder Jahrgang der selben Rebe kann unterschiedlich schmecken. Der Geschmack des Weins hängt auch von Umwelteinflüssen, Bodenqualität und Erntezeit ab: hat es viel oder wenig geregnet, wie oft und wie intensiv schien die Sonne, wieviel Wasser hat die Pflanze erhalten,...
Genauso ist es auch mit ätherischen Ölen. Wo und unter welchen Bedingungen die Pflanze gewachsen ist, beeinflusst die Qualität des Öls ebenso wie die Art ihrer weiteren Verarbeitung. Diese Faktoren entscheiden über den chemischen Hauptbestandteil des Öls, den Chemotyp, und somit seine therapeutischen Eigenschaften.

Die Bezeichnung "Chemotyp" (Ct.)" nach dem Pflanzennamen bezieht sich auf die Leitsubstanz in einem ätherischen Öl, also den Inhaltsstoff, der entweder vorwiegend enthalten ist oder der die Wirkung des jeweiligen Öls maßgeblich prägt. Öle aus der gleichen Pflanze, also mit dem gleichen Namen, können je nach Umweltbedingungen unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen- und damit auch unterschiedliche Wirkungen haben. Ein Beispiel dafür ist Thymian (Thymus vulgaris). Im Handel sind hauptsächlich zwei unterschiedliche Chemotypen erhältlich: der Thymol- Chemotyp (Thymus vulgaris Ct Thymol), sowie der Linalool- Chemotyp (Thymus vulgaris Ct. Linalool). Das Linalool enthält weniger von den giftigen Phenolen und ist sicherer für den Hausgebrauch, vor allem bei Anwendungen auf der Haut und in Mischungen für Kinder. In allen Rezepten hier findest du immer einen Hinweis dazu, ggf. auch Möglichkeiten das Öl durch ein anderes zu ersetzen.

GUT ZU WISSEN: Was bei einem Menschen wirkt, hilft bei einem anderen vielleicht überhaupt nicht. In der Schulmedizin gibt es auch mehrere verschiedene Medikamente für eine Erkrankung oder ein Symptom. Die Mittel sind zwar chemisch unterschiedlich, können aber bei ähnlichen Beschwerden eingesetzt werden. Ätherische Öle wirken im Wesentlichen genauso. Während ein Mensch Lavendel entspannend und beruhigend findet, springt ein anderer eher auf Baldrian oder Kamille an. Genauso hat ein Aromaöl auch durch seine vielen Inhaltsstoffe mehrere Einsatzbereiche. Bleiben wir bei Lavendel, der neben seiner beruhigenden Wirkung, das vielfältig einsetzbarste Öl überhaupt ist: Perfekt für kleinere Wunden, Verbrennungen, bei Insektenstichen, Husten, bei Schmerzen, Schlaflosigkeit,... ich könnte ewig so weiter machen...🤭 Hier findest du die Details zu Lavendel.

Einen weiteren Beitrag, wie man die ätherischen Öle richtig anwendet und verdünnt, findest du hier. Solltest du weitere Anregungen haben, freue ich mich über einen Kommentar!

Sonnige Grüße,
deine Isabel